Im Zwiegespräch

Täglich beten mit dem Wort Gottes

Zwei Widersprüche

Zwei Dinge fallen mir bei der Lesung des heutigen Evangeliums ins Auge, die irgendwie unklar und fremd erscheinen:

Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? Gott verspricht, sein Volk nicht warten zu lassen, und doch scheint es uns immer, dass Gott zu spät kommt, dass er „zu schweigsam“ ist oder – um es auf den Punkt zu bringen – dass er „sehr vorsichtig“ ist. Warum? Ist es nicht so, dass das eigentliche Problem darin besteht, dass wir es zu eilig haben? Ist es nicht so, dass wir alles auf einmal gelöst sehen wollen? Aber Gott lässt uns nicht warten. Alles kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: zu Gottes Zeit, nicht zu unserer.

Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden? Welchen Glauben meint er? Geht es da nicht um den reinen und unverfälschten Glauben? Das heißt um die Betrachtung dessen, was die Augen nicht sehen: der Himmel, die Ewigkeit, das Antlitz Gottes selbst. Wird der Herr fürchten – und das zu Recht –, dass der Tag, an dem er von der Höhe des Himmels herabsteigt, um das ewige Leben zu bringen, uns nicht im Geringsten interessieren wird, weil wir allzu sehr damit beschäftigt sind, nach irdischen Gütern zu streben? Nun, welch eine Enttäuschung!

J. Fernando Rey Ballesteros
www.espiritualidaddigital.com
(Übersetzung aus dem Spanischen)

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