Im Zwiegespräch

Täglich beten mit dem Wort Gottes

Toxischer Sentimentalismus

Mt 7,21-29 • Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen! Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Und jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, ist ein Tor, der sein Haus auf Sand baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört. Und es geschah, als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Im Jahr 2016 schrieb Theodore Dalrymple das Buch „The toxic cult of sentimentality“, eine wahre Voraussage der Zeiten, in denen wir leben. Wir werden nicht von der Liebe zur Wahrheit angetrieben, sondern von dem Wunsch nach Wohlbefinden. Wir suchen nicht das, was „wahr“ ist, sondern das, was „angenehm“ ist. Wir sind die am meisten manipulierbare Generation der Geschichte. Unser Wille ist dem Gefühl unterworfen, und das Gefühl steht nicht unter unserer Kontrolle, sondern ist denjenigen überlassen, die es mit Reizen manipulieren.

Das gilt auch für die Religiosität. Wir wollen Gott „spüren“, in der ständigen affektiven Umarmung des Göttlichen leben. Wir haben der Finsternis von Golgatha abgeschworen und sind zu einem Designer Tabor gezogen. Wir brauchen Musik, Gesten, Küsse, Umarmungen… Das Schlimmste, was ein Gläubiger zu dir sagen kann, ist „Ich fühle nichts.“ Das ist gleichbedeutend mit der Feststellung, dass er dabei ist, seinen Glauben zu verlieren.

Er ist wie ein Tor, der sein Haus auf Sand baute. Schlimmer als auf Sand. Frömmigkeit auf Gefühlen aufzubauen, ist wie auf Butter zu bauen. Begehe nicht einen solchen Fehler. Bau auf den Felsen, auf die Wahrheit. Du weißt, dass Gott dich liebt. Selbst wenn du dich einsam fühlst, weißt du, dass er bei dir ist. Sage zu ihm, auch wenn es dir wie ein trockener Schrei vorkommt: „Ich glaube! Ich vertraue!“ Und geh weiter. Du wirst bis zum Ende treu sein.

J. Fernando Rey Ballesteros
www.espiritualidaddigital.com
(Übersetzung aus dem Spanischen)

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.

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