Im Zwiegespräch

Täglich beten mit dem Wort Gottes

Das Gebet der Witwe und dein Nachbar aus dem 5. Stock

Lk 18,1-8 • Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

Die Bitte der Witwe in dem Gleichnis verdient eine Erklärung, damit sie nicht falsch interpretiert wird. Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher!

Ich sage dir, was sie nicht meint: „Schlitz ein Rad am Auto des Nachbarn im 5. Stockwerk auf, weil er mich bei den Gemeindeversammlungen anpöbelt und es nicht zulässt, dass ich meine Terrasse überdache.“ Wenn du das erwartest… Ich kann dir nicht einmal versichern, dass es nicht der Nachbar sein wird, der deinen Reifen aufschlitzt.

Nur damit wir uns richtig verstehen: „Gerechtigkeit“ bedeutet in der Schrift „Heiligkeit“. Wenn uns gesagt wird, dass der heilige Josef ein gerechter Mann war, dann wird uns gesagt, dass er ein Heiliger war. Daher bedeutet „mir Gerechtigkeit widerfahren lassen“ „mich heiligen“ oder, um ein anderes Wort aus der Heiligen Schrift zu verwenden, „mich rechtfertigen“.

Was den Widersacher betrifft, so ist der Widersacher eurer Heiligung der Böse. Vor ihm bitten wir Gott, uns zu beschützen, denn er ist darauf aus, unsere Heiligung durch Versuchungen und Hinterlist zu behindern.

Wenn also dein Nachbar bei den Gemeindeversammlungen auf dir herumhackt und darauf besteht, dass du deine Terrasse nicht überdachst, überlege, worum du bittest, wenn du die Worte der Witwe benutzt: „Hilf mir, diesen lästigen Nachbarn zu lieben!“ Willst du das?

J. Fernando Rey Ballesteros
www.espiritualidaddigital.com
(Übersetzung aus dem Spanischen)

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.

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